C5-Readiness

BSI C5

AIC4 des BSI: wann der KI-Katalog passt und was er nicht leistet

AIC4 ist ein freiwilliger Kriterienkatalog des BSI für Cloud-Dienste, die maschinelles Lernen einsetzen, und als Erweiterung des C5 angelegt. Eine Pflicht zum AIC4-Bericht folgt aus dem Katalog nicht; wer ihn nutzt, braucht zuerst ein passendes C5-Testat. Der Katalog stammt von 2021, liegt nur auf Englisch vor und verweist noch auf C5:2020.

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Stand: 2026-11-01

Diese Seite erklärt, wofür der AIC4 gedacht ist, wo er aufhört und wie er zum C5 steht. Wie ein KI-SaaS-Anbieter C5 und AIC4 im Projekt verbindet, zeigt die Seite C5 für KI-SaaS; für KI-Software im Gesundheitswesen gibt es eine eigene Seite KI im Gesundheitswesen.

Was ist AIC4?

AIC4 steht für „Artificial Intelligence Cloud Service Compliance Criteria Catalogue“. Das BSI beschreibt ihn als Katalog, der Mindestanforderungen an die sichere Verwendung von Methoden des maschinellen Lernens in Cloud-Diensten festlegt, konzipiert als Erweiterung des C5. Ziel ist eine transparente Darstellung der Informationssicherheit eines KI-Cloud-Dienstes auf Grundlage einer standardisierten Prüfung, die Kunden in ihrer eigenen Risikoanalyse verwenden können.

Vier Eckdaten, die Sie vor jeder Planung kennen sollten:

  • Stand: Das PDF trägt den Vermerk „© Federal Office for Information Security 2021“. Das BSI schreibt auf seiner Seite, es habe sich entschieden, die aktuelle Version nicht unmittelbar fortzuschreiben und nicht zu übersetzen, weil die internationale Entwicklung von Prüfkriterien noch andauert.
  • Sprache: nur Englisch.
  • Kein Zertifikat: Ein Zertifizierungsverfahren für AIC4 gibt es nach Angabe des BSI derzeit nicht. Ergebnis einer Prüfung ist ein Prüfbericht, wie beim C5.
  • Bezug auf C5:2020: Der Katalog verweist auf den C5 in der Fassung von 2020 und nutzt dessen Kriteriennummern (siehe unten).

Für welche Dienste ist AIC4 gedacht?

Für Cloud-Dienste, die Verfahren des maschinellen Lernens nutzen und ihre Leistung mit Trainingsdaten verbessern. Der Katalog nennt als Schwerpunkt Gradient-Boosting-Verfahren, Random Forests und tiefe neuronale Netze, typische Anwendungen sind etwa Bildklassifikation und -segmentierung, Zeitreihenprognosen, Verarbeitung natürlicher Sprache, Spracherkennung und Scoring (AIC4, Kapitel 2). Federated Learning und Reinforcement Learning deckt er ausdrücklich nicht ab.

Die Anwendung ist freiwillig; das BSI betont, dass es sich bei den Kriterien um keine Regulierung handelt. Als Anhaltspunkt nennt es zwei Fragen: Werden ML-Verfahren besonders intensiv oder in Bereichen eingesetzt, die die Informationssicherheit des Dienstes beeinflussen können? Brauchen Kunden Informationen zur Verwendung der ML-Verfahren, um die Eignung des Dienstes in ihrer Risikoanalyse zu bewerten? Ist eine davon mit Ja zu beantworten, empfiehlt das BSI, die Anwendung des AIC4 zu prüfen.

Unsere Einordnung für Dienste, die ein fremdes, großes Sprachmodell nur per Schnittstelle aufrufen: Der Katalog nennt solche Modelle nicht eigens, und viele seiner Kriterien setzen voraus, dass der Anbieter Training, Validierung und Daten selbst steuert. Ob AIC4 dann zielführend ist, ist eine Einzelfallfrage; bei eigenem Training oder eigener Feinabstimmung liegt er näher.

Gibt es eine Pflicht zu AIC4?

Aus dem Katalog und der BSI-Seite folgt keine. Auch § 393 SGB V verlangt für Cloud-Dienste im Gesundheitswesen ein aktuelles C5-Testat für die Basiskriterien und nennt den AIC4 nicht (§ 393 SGB V). Eine Pflicht kann sich aber aus Verträgen oder Ausschreibungen Ihrer Kunden ergeben. Das BSI selbst schreibt, ein Kunde benötige zur Bewertung eines KI-Cloud-Dienstes „in der Regel sowohl“ einen C5- als auch einen AIC4-Prüfbericht. Das ist eine Empfehlung an Kunden; ob Ihre Kunden sie übernehmen, klären Sie im Vertrieb.

Die acht Bereiche des AIC4

Der Katalog gliedert sich in acht Bereiche mit zusammen 41 Kriterien (eigene Zählung). Die Bezeichnungen in der Tabelle sind die englischen des Katalogs (die Grafik unten übersetzt sie), die Beschreibung ist unsere Zusammenfassung.

KürzelBereichWorum es gehtKriterien
PCPreliminary CriteriaC5-Konformität des KI-Dienstes als Voraussetzung und eine einheitliche Dokumentation der Richtlinien2
SRSecurity & RobustnessBedrohungsmodell für KI-spezifische Angriffe, Tests der Trainingskette und des Modells, Gegenmaßnahmen, Restrisiken7
PFPerformance & FunctionalityLeistungsanforderungen festlegen, Modell auswählen, trainieren, validieren und im Betrieb überwachen10
REReliabilityRessourcen, Protokollierung und Überwachung der Modellanfragen, KI-spezifische Vorfälle, Datensicherung6
DQData QualityQualitätsanforderungen an Trainings-, Test- und Betriebsdaten, Auswahl und Annotation6
DMData ManagementRahmen für Umgang, Zugriff und Herkunft der Daten, Vertrauenswürdigkeit der Quellen4
EXExplainabilityBedarf an Erklärbarkeit bestimmen und testen, fehlende Erklärbarkeit offenlegen2
BIBiasBias konzeptionell bewerten, messen, verringern und laufend überwachen4

Zusätzlich verlangt der AIC4 eigene Angaben zu den Rahmenbedingungen des KI-Dienstes in der Systembeschreibung (BC-01 bis BC-06), etwa zur Trainingshäufigkeit, zum Grad automatisierter Entscheidungen und zu den Grenzen der Robustheit. Zusatzkriterien wie im C5 kennt der AIC4 nicht.

Schaubild „AIC4 setzt auf C5 auf“. Acht Kästen für die Bereiche des AIC4 mit zusammen 41 Kriterien (eigene Zählung): PC Vorbedingungen (2), SR Sicherheit und Robustheit (7), PF Leistung und Funktionalität (10), RE Zuverlässigkeit (6), DQ Datenqualität (6), DM Datenmanagement (4), EX Erklärbarkeit (2), BI Bias (4). Darunter gold umrandet das Fundament „C5-Bericht, der den KI-Dienst umfasst, Voraussetzung nach PC-01“. Darunter „Anforderungen an den C5-Bericht nach PC-01“, sinngemäße Kurzfassung, mit sechs Punkten: deckt den KI-Dienst ab, deckt den AIC4-Zeitraum ab oder Bridge Letter, mindestens gleicher Berichtstyp, qualifizierter Prüfer, uneingeschränktes Urteil, liegt vor dem AIC4-Bericht vor. Fußnote: AIC4 freiwillig, Stand 2021, nur Englisch; kein Zertifikat, Ergebnis ist ein Prüfbericht.
AIC4 setzt auf C5 auf. Die Bereichsnamen stehen in der Grafik in eigener deutscher Übersetzung, die englischen Bezeichnungen des Katalogs nennt die Tabelle im Text. Die Anforderungen nach PC-01 sind eine sinngemäße Kurzfassung; maßgeblich ist der englische Wortlaut. Quelle: BSI, AI Cloud Service Compliance Criteria Catalogue (AIC4), 2021, Kapitel 3.2 und Kriterium PC-01; eigene Darstellung.

Wie hängen AIC4 und C5 zusammen?

Der C5 ist Voraussetzung. Das Kriterium PC-01 verlangt, dass der KI-Dienst die C5-Kriterien erfüllt und ein C5-Bericht das belegt; das BSI nennt den C5 auf seiner Seite das übergeordnete Rahmenwerk. Der AIC4 wiederholt die C5-Kriterien nicht, er ergänzt KI-spezifische Anforderungen und erweitert einzelne C5-Kriterien, etwa das Risikomanagement um KI-spezifische Angriffe (SR-02). An den C5-Bericht stellt PC-01 sechs Anforderungen, die der Katalog mit „Scope“, „Coverage Period“, „Report Type“, „Qualified Service Auditor“, „Opinion“ und „Timing“ überschreibt. Die linke Spalte gibt sie sinngemäß und verkürzt wieder; maßgeblich ist der englische Wortlaut von PC-01.

Anforderung an den C5-Bericht (PC-01, sinngemäß, Kurzfassung)Was das für Ihre Planung heißt (unsere Einordnung)
Gegenstand umfasst ausdrücklich den KI-Dienstden KI-Dienst in den C5-Scope aufnehmen, nicht nur die Plattform darunter
deckt den ganzen AIC4-Prüfungszeitraum ab, sonst Bridge Letter für die LückeZeiträume von C5 und AIC4 aufeinander legen
mindestens derselbe Berichtstyp (Typ 1 oder Typ 2) wie die AIC4-Prüfungein AIC4-Typ-2-Bericht braucht einen C5-Typ-2-Bericht
von einem qualifizierten Prüfer erstelltQualifikation nach C5 belegen lassen, siehe Prüferauswahl
uneingeschränktes Urteil für den KI-Dienstist das C5-Urteil eingeschränkt, soll der AIC4-Prüfer das offenlegen und die Folgen bewerten
liegt vor dem AIC4-Bericht vorC5-Bericht zuerst fertigstellen

Die Prüfung folgt laut Kapitel 4 der Methodik des C5:2020: ISAE 3000 (Revised) oder IDW PS 860, hinreichende Sicherheit, Typ 1 nur bei der Erstprüfung; wegen der schnellen Änderungen von KI-Diensten empfiehlt der Katalog, mindestens jährlich zu prüfen. Neu gegenüber dem C5 ist eine Anforderung an das Prüfungsteam: Mindestens eine Person, die den KI-Dienst selbst testet, soll drei Jahre Berufserfahrung als Data Scientist oder in der Entwicklung von ML-Modellen haben. Abschnitt 4.4.9 formuliert das als Empfehlung, die Übersicht in Kapitel 7.1 als Anforderung; fragen Sie Ihren Prüfer, wie er es handhabt.

Verweise auf C5:2020 richtig lesen

Weil der AIC4 von 2021 ist, nennt er Kriterien des C5:2020. Seit C5:2026 sind viele davon umnummeriert, und dieselbe Nummer kann ein anderes Kriterium bezeichnen. Die Zuordnung steht in der Änderungshistorie des BSI zu C5:2026. Einige Beispiele:

AIC4 verweist auf (C5:2020)In C5:2026 laut ÄnderungshistorieHinweis
OIS-06 (Risikomanagement-Richtlinie)OIS-07neue Nummer
OIS-07 (Anwendung der Risikomanagement-Richtlinie)OIS-08neue Nummer
OPS-19 (Penetrationstests)OPS-22OPS-19 ist in C5:2026 ein neues Kriterium zu Vorfällen und Abstürzen
OPS-11 bis OPS-13 (Protokollierung)OPS-11 bis OPS-13Nummern unverändert

Prüfen Sie jeden Verweis im AIC4 auf diese Weise, bevor Sie Kontrollen zuordnen. Sonst verknüpfen Sie eine AIC4-Anforderung mit dem falschen C5:2026-Kriterium. Welche C5-Fassung für Ihre nächste Prüfung gilt, steht auf der Seite C5:2026.

Was AIC4 nicht leistet

  • Keine Eignungszusage: Nach dem Katalog bedeutet ein erfolgreicher Bericht nicht, dass Robustheit, Leistung, Zuverlässigkeit, Datenqualität, Erklärbarkeit oder das Fehlen unerwünschter Verzerrungen für eine bestimmte Anwendung ausreichen. Das bewerten die Kunden selbst; Restrisiken tragen sie nach Angabe des BSI selbst.
  • Keine Datenschutzprüfung: Eine AIC4-Prüfung sagt laut BSI nichts darüber, ob personenbezogene Daten, etwa Trainings- oder Eingabedaten, rechtskonform verwendet werden.
  • Keine Ethikprüfung: Beim Thema Bias betrachtet der AIC4 nur Aspekte, die die Informationssicherheit betreffen.
  • Kein Ersatz für C5: Ohne C5-Bericht nach PC-01 lässt sich AIC4 nicht erfüllen.
  • Keine laufende Fortschreibung: Das BSI schreibt den Katalog derzeit nicht unmittelbar fort. Für die Prüfung von KI-Systemen entwickelt das BSI mit A5 einen eigenen, modularen Prüfrahmen; Stand und Aufbau beschreibt die Seite BSI A5.

Beispiel: zwei KI-Dienste, zwei Antworten

Fiktive Beispiele, keine Kunden.

  • Schadensfotos für Versicherer: Ein Anbieter trainiert ein eigenes Bildklassifikationsmodell, das Fotos von Kfz-Schäden vorsortiert. Die Versicherer wollen wissen, wie das Modell trainiert, getestet und überwacht wird. Beide Fragen des BSI sind mit Ja zu beantworten. Der Anbieter plant zuerst einen C5-Typ-2-Bericht mit dem KI-Dienst im Scope und legt den AIC4-Zeitraum auf denselben Zeitraum.
  • Textassistent mit fremdem Sprachmodell: Ein anderer Anbieter fasst E-Mails zusammen und ruft dafür ein Sprachmodell eines Dritten auf, ohne eigenes Training. Seine Kunden fragen nach dem C5-Testat und nach dem Modellanbieter. Er konzentriert sich auf C5, behandelt den Modellanbieter als Subdienstleister (Subservice-Organisation) und prüft AIC4 erst, wenn Kunden ihn verlangen.

Häufige Fragen

Ist AIC4 Pflicht für KI-Anbieter?+
Nach Katalog und BSI-Seite nein, die Anwendung ist freiwillig. Eine Pflicht kann sich aus Verträgen oder Ausschreibungen von Kunden ergeben; die Einordnung im Einzelfall ist zu prüfen.
Gibt es ein AIC4-Zertifikat?+
Nein. Nach Angabe des BSI gibt es derzeit kein Zertifizierungsverfahren für AIC4. Ergebnis einer Prüfung ist ein Prüfbericht eines unabhängigen Prüfers.
Kann ich AIC4 ohne C5 prüfen lassen?+
Nach dem Katalog nicht sinnvoll: PC-01 verlangt einen C5-Bericht für den KI-Dienst, der den AIC4-Zeitraum abdeckt, mindestens denselben Typ hat und ein uneingeschränktes Urteil enthält.
Gibt es eine deutsche Fassung des AIC4?+
Nein. Der AIC4 liegt nur auf Englisch vor, und das BSI hat sich nach eigener Angabe entschieden, die aktuelle Version nicht unmittelbar fortzuschreiben und nicht zu übersetzen.
Hilft AIC4 bei der europäischen KI-Verordnung?+
Die AIC4-Seite des BSI erwähnt die KI-Verordnung nicht, und eine AIC4-Prüfung ist keine Konformitätsbewertung nach dieser Verordnung. Welche Pflichten daraus für Ihren Dienst folgen, ist gesondert rechtlich zu prüfen.

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Quellen

Diese Inhalte dienen der allgemeinen technischen und organisatorischen Information und stellen keine Rechtsberatung dar (keine Rechtsdienstleistung i. S. d. RDG).